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Luft, Erde oder Grundwasser? Die drei Wärmepumpen-Arten erklärt
Kurz & knapp: Eine Wärmepumpe macht aus 1 kWh Strom 3 – 5 kWh Wärme. Der Trick: Sie „pumpt" vorhandene Umgebungswärme aus Luft, Erdreich oder Grundwasser in Ihr Heizsystem. Welche Quelle zu Ihnen passt, hängt von Budget, Grundstück und Effizienzanspruch ab — die interaktiven Darstellungen unten zeigen die Unterschiede auf einen Blick.
Für wen ist dieser Artikel relevant?
Sie überlegen, Ihre Öl- oder Gasheizung zu ersetzen und stehen vor der Frage: Welche Wärmepumpe für mein Haus? Luftwärmepumpe klingt günstig, Erdwärme klingt effizient, Grundwasser klingt kompliziert — und die Förderung hängt wesentlich an der Technik. Dieser Artikel erklärt die Physik dahinter und stellt die drei Bauarten so gegenüber, dass Sie für Ihre Situation die richtige Entscheidung vorbereiten können.
So funktioniert eine Wärmepumpe: Der Kältekreislauf
Eine Wärmepumpe funktioniert wie ein umgekehrter Kühlschrank. Während der Kühlschrank Wärme aus dem Innenraum zieht und hinten abgibt, zieht die Wärmepumpe Wärme aus der Umgebung (draußen) und gibt sie an Ihren Heizkreis (drinnen) ab. Im Inneren arbeitet ein geschlossener Kreislauf mit einem Kältemittel, das bei niedrigen Temperaturen verdampft und bei höheren wieder kondensiert.
Vier Schritte wiederholen sich unablässig:
- Verdampfer — Das flüssige Kältemittel ist so ausgewählt, dass es schon bei wenigen Grad Celsius siedet. Es nimmt Wärme aus der Quelle auf (Luft, Erdreich oder Grundwasser) und verdampft dabei.
- Verdichter — Ein strombetriebener Kompressor presst das Kältemittelgas zusammen. Druck und Temperatur steigen stark. Hier geht die eingesetzte elektrische Energie in den Prozess.
- Verflüssiger — Das heiße, unter Druck stehende Gas gibt nun seine Wärme an das Heizungswasser ab und wird dabei wieder flüssig.
- Expansionsventil — Das flüssige Kältemittel entspannt sich, kühlt schlagartig ab und der Kreislauf beginnt von vorn.
💡 Tipp: Die Kennzahl dafür, wie effizient dieser Kreislauf arbeitet, heißt JAZ (Jahresarbeitszahl). JAZ 4,0 bedeutet: aus 1 kWh Strom entstehen 4 kWh Wärme. Für eine BEG-Förderung wird mindestens JAZ 3,0 verlangt — wirtschaftlich sinnvoll sind Werte ab 3,5 aufwärts.
Die drei Hauptbauarten im Vergleich
Die drei Wärmepumpen-Arten unterscheiden sich nur in einer einzigen Sache: woher sie die Umgebungswärme holen. Der innere Kältekreislauf ist bei allen drei identisch. Probieren Sie es aus — klicken Sie auf die Bauart und verschieben Sie den Temperatur-Regler:
Luft/Wasser-Wärmepumpe
Die Luftwärmepumpe entzieht der Außenluft Wärme. Sie ist die günstigste und am einfachsten installierbare Variante und macht deshalb rund 80 % des aktuellen Marktes aus. Der Nachteil: Je kälter die Außenluft, desto schlechter die Effizienz. Bei −10 °C leistet eine Luft/Wasser-Wärmepumpe nur noch etwa die Hälfte ihrer Nenn-Effizienz. In gut gedämmten Häusern fällt das weniger ins Gewicht — in schlecht gedämmten Altbauten bleibt an kalten Tagen oft nur der Heizstab als teure Reserve.
Sole/Wasser-Wärmepumpe (Erdwärme)
Die Erdwärmepumpe nutzt das Erdreich als Quelle. In 50 – 150 m tiefen Bohrungen zirkuliert eine Sole (Wasser-Frostschutz-Gemisch) und nimmt Erdwärme auf. Alternativ kommen Flächenkollektoren in 1,5 m Tiefe infrage, brauchen aber etwa die 1,5-fache Wohnfläche an Gartenfläche. Der Vorteil: Das Erdreich hat ganzjährig 8 – 10 °C. Die JAZ bleibt auch im tiefsten Winter stabil bei 4,0 – 4,5.
Wasser/Wasser-Wärmepumpe (Grundwasser)
Die Grundwasserwärmepumpe nutzt Grundwasser über zwei Brunnen: Einen Förderbrunnen, der warmes Grundwasser nach oben pumpt, und einen Schluckbrunnen, der das abgekühlte Wasser wieder ins Erdreich zurückgibt. Die JAZ erreicht 4,5 – 5,5 — die höchste aller Varianten. Der Haken: Grundwasser muss in ausreichender Menge und Qualität vorhanden sein, und die wasserrechtliche Erlaubnis ist nicht überall erteilbar (Wasserschutzgebiete sind in der Regel ausgeschlossen).
Welche Wärmepumpe passt zu welchem Haus?
| Kriterium | Luft/Wasser | Sole/Wasser | Wasser/Wasser |
|---|---|---|---|
| Typische JAZ | 3,0 – 4,0 | 4,0 – 4,5 | 4,5 – 5,5 |
| Investition (EFH) | 25 – 35.000 € | 35 – 50.000 € | 40 – 55.000 € |
| Platzbedarf außen | klein (~1 m²) | Bohrung oder Gartenfläche | 2 Brunnen |
| Genehmigung | meist keine | Bohranzeige / Wasserbehörde | wasserrechtliche Erlaubnis |
| Lärm (außen) | Außeneinheit 35 – 50 dB | praktisch geräuschlos | praktisch geräuschlos |
| Beste Eignung | Neubau, gut saniertes EFH | EFH bis MFH, Alt + Neubau | große EFH / MFH mit Grundwasser |
⚠️ Achtung: Die Kostenangaben sind Richtwerte ohne Förderung. Mit BEG-Förderung (bis zu 70 % Zuschuss kombinierbar) reduziert sich der Eigenanteil erheblich. Der iSFP-Bonus bringt weitere 5 Prozentpunkte — siehe Artikel unten.
Rechenbeispiel
📊 Ausgangssituation: Einfamilienhaus, Bj. 1992, 140 m² Wohnfläche, teilweise gedämmt, alte Gastherme vor dem Austausch. Heizlast: ca. 8 kW. Jahresverbrauch heute: ca. 18.000 kWh Gas.
Option A — Luft/Wasser-Wärmepumpe:
- Investition: 30.000 € (inkl. Pufferspeicher, Hydraulik, Elektrik)
- Realistische JAZ im Objekt: 3,4
- Stromverbrauch fürs Heizen: ca. 18.000 kWh ÷ 3,4 ≈ 5.300 kWh/a
Option B — Sole/Wasser-Wärmepumpe:
- Investition: 42.000 € (inkl. 140 m Erdsondenbohrung)
- Realistische JAZ: 4,2
- Stromverbrauch: 18.000 kWh ÷ 4,2 ≈ 4.300 kWh/a
Delta: Die Erdwärmepumpe spart ca. 1.000 kWh Strom pro Jahr. Bei einem Wärmepumpen-Stromtarif von 28 ct/kWh sind das 280 € weniger Stromkosten pro Jahr. Die Mehrkosten von 12.000 € amortisieren sich rein über die Stromersparnis erst nach gut 40 Jahren — bei gleicher Förderung. Rechnen Sie also mit anderen Kriterien (Effizienz-Reserve, Schallschutz, Komfort), nicht allein über die Stromrechnung.
Checkliste: Ihre nächsten Schritte
- Heizlast Ihres Gebäudes realistisch ermitteln lassen (Energieberater, DIN EN 12831).
- Vorlauftemperatur Ihres heutigen Heizsystems messen — unter 55 °C ist WP-tauglich, darüber braucht es oft Zusatzmaßnahmen.
- Grundstücksprüfung: Platz für Außeneinheit, Bohrung oder Brunnen? Lokale Bohranzeige-Regeln klären.
- Bei Erdwärme/Grundwasser: Wasserschutzgebiet? Beim Umweltamt der Gemeinde anfragen.
- Drei Angebote vergleichen — nicht nur Preis, sondern JAZ-Prognose und Hersteller-Schallwerte prüfen.
- Vor Auftragserteilung BEG-Antrag bei der KfW stellen (Reihenfolge: Beratung → Antrag → Vertrag, nie umgekehrt).
Häufige Fragen
Braucht meine Heizung zwingend Fußbodenheizung? Nein, aber sie hilft. Wärmepumpen mögen niedrige Vorlauftemperaturen (unter 55 °C). Mit großflächigen Heizkörpern, hydraulischem Abgleich und in gut gedämmten Häusern funktioniert eine Wärmepumpe auch ohne Fußbodenheizung. In schlecht gedämmten Altbauten prüfen Sie vorab, ob Sie einzelne Heizkörper größer dimensionieren müssen.
Lohnt sich die teurere Erdwärme, wenn Luft doch gefördert wird? Die Förderung ist für alle drei Varianten identisch strukturiert. Die höhere Investition in Erdwärme / Grundwasser amortisiert sich über Stromkosten und Langlebigkeit — oft erst nach 15 – 25 Jahren. Entscheidungsrelevant sind Platzverhältnisse, Schallanforderungen und die Frage, wie gut Ihr Haus thermisch „WP-fit" ist.
Was ist mit dem Kältemittel — ist das umweltschädlich? Moderne Wärmepumpen arbeiten zunehmend mit Propan (R290), einem natürlichen Kältemittel mit sehr geringem Treibhauspotenzial. Ab 2028 wird R290 für BEG-Förderung voraussichtlich verpflichtend sein. Altgeräte mit synthetischen Kältemitteln (z. B. R410A) werden schrittweise vom Markt verdrängt.
Kann eine Wärmepumpe auch kühlen? Ja — Sole/Wasser- und Wasser/Wasser-Systeme können passiv kühlen (nur Umwälzpumpe läuft, kein Kompressor), Luft/Wasser-Modelle aktiv kühlen (wie Klimaanlage). Die Kühlleistung ist kleiner als bei echten Klimaanlagen, reicht aber für 2 – 3 °C Absenkung in Wohnräumen meist aus.
Wie viele Jahre hält eine Wärmepumpe? Rund 15 – 20 Jahre für das Gerät, 50+ Jahre für eine Erdsonde oder einen Brunnen. Wartung: 1× jährlich empfohlen, Kosten 150 – 300 €/a.
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Quellen & Stand
- BWP — Zahlen und Daten zur Wärmepumpe — typische JAZ-Werte, Feldtest-Ergebnisse, Marktanteile nach Bauart.
- Verbraucherzentrale — Wärmepumpe im Vergleich — Verbraucher-Perspektive, Kosten-Richtwerte, Fallstricke.
- BAFA — Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG EM) — Mindest-JAZ und Förderbedingungen.
- Energiewechsel — FAQ zur Heizungsförderung — BEG-Richtlinien und KfW 458.
Stand: 2026-04-21
Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Energie-, Rechts- oder Steuerberatung. Förderprogramme und gesetzliche Regelungen können sich ändern — für Ihr konkretes Vorhaben empfehlen wir eine Beratung durch eine:n zertifizierte:n Energieeffizienz-Expert:in (gelistet bei der dena).
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