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Teil 2 · Wie saniert man
Wie saniert manFassadeDämmungEigentümer· 5 Min. Lesezeit
Inhaltsverzeichnis

Wie saniert man die Fassade? WDVS, vorgehängte Fassade oder Innendämmung

Nach dem Dach ist die Außenwand der zweitgrößte Wärmeverlierer im Altbau. Bei einem typischen Einfamilienhaus aus den 60er- bis 80er-Jahren entweichen rund 20 bis 25 Prozent der Heizwärme über die ungedämmte Fassade. Das ist viel — und es ist gleichzeitig die Maßnahme, bei der Sie als Eigentümer:in die meisten ästhetischen Entscheidungen mittreffen.

In Teil 2 unserer Serie "Wie saniert man …" schauen wir uns die drei realistischen Wege an: das verklebte Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS), die vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) und die Innendämmung. Welche zu welchem Haus passt, was sie kostet — und warum die Reihenfolge mit Fenstern und Heizung wichtiger ist, als viele denken.

Drei Dämmvarianten — und wann welche passt

1. WDVS — das verklebte Wärmedämm-Verbundsystem

Das WDVS ist die mit Abstand häufigste Lösung im Bestand: Dämmplatten (meist EPS oder Mineralwolle) werden auf das Mauerwerk geklebt und gedübelt, darauf kommen Armierung, Putz und Anstrich.

  • Pro: Günstigste Außendämmung, schließt Wärmebrücken am Sockel und an Fensterlaibungen sauber, breite Auswahl an Putzoberflächen.
  • Contra: Optisch erkennbar "verputzt", anfällig für Algen und Spechtschäden bei zu dünnem Putz, bei Brandschutzklasse B1 (EPS) Sonderlösungen an Sturz und Geschossdecken nötig.
  • Kostenrahmen: 140–220 €/m² Fassadenfläche inkl. Gerüst.

2. Vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF)

Bei der VHF wird die Dämmung auf eine Unterkonstruktion aufgebracht, davor sitzt mit Luftspalt eine sichtbare Bekleidung — Holz, Faserzement, Klinkerriemchen, Aluminium oder Schiefer.

  • Pro: Sehr robust, langlebig (Lebensdauer 50+ Jahre), hervorragender Feuchtetransport durch Hinterlüftung, gestalterisch frei.
  • Contra: Deutlich teurer, dickerer Aufbau (oft 25–35 cm), bei kleinen Häusern mit knappen Grenzabständen baurechtlich heikel.
  • Kostenrahmen: 220–400 €/m² je nach Bekleidung.

3. Innendämmung — wenn außen nicht geht

Innendämmung ist die Lösung für Fälle, in denen die Außenwand nicht angefasst werden darf oder soll: denkmalgeschützte Sichtmauerwerke, Fachwerk, Reihenhäuser mit minimalem Grenzabstand, einzelne Wohneinheiten in MFH.

  • Pro: Funktioniert auch bei Denkmalschutz, raumweise machbar, kein Gerüst.
  • Contra: Bauphysikalisch anspruchsvoll (Tauwasser hinter der Dämmung!), reduziert Wohnfläche, Wärmebrücken an einbindenden Decken bleiben kritisch.
  • Kostenrahmen: 80–160 €/m² Wandfläche, plus Aufwand für Versetzung von Steckdosen und Heizkörpern.

Wann lohnt sich welche Variante?

Faustregel:

  • WDVS ist Standard bei normalem Putzbau ohne Denkmalauflagen — der pragmatische Weg für 80 % aller Einfamilienhäuser.
  • VHF lohnt sich, wenn die Fassade ohnehin neu gestaltet werden soll (alte Eternitplatten, marode Klinkerverblendung) oder bei Mehrfamilienhäusern mit höherem Anspruch an Langlebigkeit und Brandschutz.
  • Innendämmung ist die Notlösung — gut gerechnet kein Kompromiss, aber sie verzeiht keine Bauphysik-Fehler.

Tauwasser, Wärmebrücken, Schimmel — was bei der Fassade schiefgehen kann

Eine Fassadendämmung verschiebt den Taupunkt im Wandaufbau nach außen. Bei Außendämmung (WDVS, VHF) ist das eine willkommene Eigenschaft: die alte Außenwand wird wärmer und trocknet besser ab. Bei Innendämmung dagegen wandert der Taupunkt in den Wandquerschnitt hinein — feuchte Raumluft kann an der kalten Mauerwerksrückseite kondensieren und über Jahre Schimmel oder Fäulnis verursachen.

Wer Innendämmung plant, sollte deshalb vor der Maßnahme einen Tauwassernachweis rechnen lassen. Bauphysikalische Software wie DÄMMWERK von KERN ingenieurkonzepte bildet genau das ab — ebenso wie die typischen Wärmebrücken an einbindenden Geschossdecken (siehe Wärmebrücken-Modul), die bei Innendämmung schnell zu lokalen Schimmelflecken führen. Fragen Sie aktiv nach diesen Nachweisen — gute Energieberater:innen liefern sie ungefragt mit.

Reihenfolge: Fenster vor Fassade, Heizung danach

Die häufigste teure Reihenfolge-Falle in der Sanierung ist: erst Fassade, dann Fenster. Das ist fast nie richtig.

  1. Fenster zuerst — oder gleichzeitig. Die Anschlüsse zwischen Fenster und Fassade müssen aufeinander abgestimmt sein. Wer die Fassade fertig hat und dann Fenster tauscht, macht entweder die neue Dämmung wieder auf oder hat dauerhafte Wärmebrücken am Fensterrahmen. Idealerweise werden Fenster im Zuge der Fassade neu eingebaut, der Rahmen bündig in die Dämmebene gerückt.
  2. Heizung danach. Eine gedämmte Hülle reduziert die Heizlast oft um 30–50 %. Eine Wärmepumpe wird dann eine Nummer kleiner ausgelegt — das spart Investitionskosten und verbessert die Jahresarbeitszahl.
  3. PV passt überall hin — Fassaden-PV ist noch ein Nischenthema, Aufdach-PV läuft parallel.

Förderung — kurz und konkret

  • BEG EM (Einzelmaßnahme): Fassadendämmung wird im Rahmen der Einzelmaßnahmen-Förderung mit aktuell 15 % Zuschuss gefördert (Stand 2026: prüfen Sie aktuelle Konditionen vor Antragstellung).
  • iSFP-Bonus: Plus 5 %, wenn die Maßnahme aus einem individuellen Sanierungsfahrplan stammt.
  • Steuerlich nach §35c EStG: Alternative ohne Antragstellung — 20 % über drei Jahre, gedeckelt auf 40.000 €.
  • KfW-Wohngebäude-Kredit (BEG WG): Greift, wenn Sie die Fassade als Teil einer Komplettsanierung auf Effizienzhausniveau planen.

Nächster Schritt

Wir helfen Ihnen, die passende Fassadenvariante für Ihr Haus zu finden — inklusive Kostenrahmen, Förderkombination und der richtigen Reihenfolge mit Fenstern und Heizung.

Kostenlos vormerken und unverbindlich beraten lassen →

Morgen in Teil 3: Wie saniert man die Fenster? — U-Wert, Verglasung und der richtige Einbau in die Dämmebene.

Stand: 2026-05-06

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Energie-, Rechts- oder Steuerberatung. Förderbedingungen, gesetzliche Vorgaben und technische Anforderungen können sich ändern — prüfen Sie aktuelle Konditionen vor jeder Maßnahme.

Fachliche Prüfung

Saniernavigator-Redaktion

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