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WärmepumpeBWPMarktdatenKfW 4582026· 5 Min. Lesezeit
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BWP hebt Wärmepumpen-Prognose auf 410.000: Warum 2026 zum Durchbruchsjahr werden kann

Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) hat seine Branchenprognose deutlich nach oben korrigiert. Nach den finalen Absatzzahlen für 2025 — 299.000 verkaufte Einheiten, +55 % gegenüber dem Krisenjahr 2024 — rechnet der Verband für 2026 im Business-as-Usual-Szenario mit rund 410.000 Geräten. Das ist nicht nur eine Erholung, sondern die erste belastbare Wachstumsperspektive seit Ende der Heizungsdebatte — und ein klares Signal für alle, die 2026 sanieren oder Mandate in der Auftragspipeline planen.

Die Zahlen — und was sie bedeuten

Die frischen Marktdaten zeigen das Ausmaß der Erholung sehr deutlich. Der Einbruch 2024 ist aufgeholt, der Vorkrisenstand von 2023 überschritten, und die Prognose für 2026 übertrifft den bisherigen Rekord.

Jahr Absatz (Einheiten) Veränderung Kontext
2022 236.000 Rekord vor dem GEG-Schock
2023 356.000 +51 % Vorzieheffekt wg. 65-%-EE-Pflicht
2024 193.000 −46 % Förderchaos, Heizungsdebatte, Zinsschock
2025 299.000 +55 % Erholung, neue KfW 458, iSFP-Bonus
2026 (Prognose, BaU) ~410.000 +37 % BWP-Szenario ohne weitere Schocks

Wichtig: Die 410.000 sind das Business-as-Usual-Szenario — also ohne einen positiven GMG-Impuls, ohne neuen Förderhebel und ohne ein günstigeres Strompreisregime. Die Zahl beschreibt, was der Markt aus eigener Kraft trägt, wenn der Handwerker-Kalender voll ist und die Geräte lieferbar sind. Alles, was politisch noch kommt, wirkt obendrauf.

Was die Erholung trägt

Vier Hebel erklären den Sprung. Keiner davon ist Einzelursache:

  1. KfW 458 läuft wieder rund — nach dem Antragsstopp-Schock des Vorjahres sind Bearbeitungszeiten bei beauftragten Heizungsprojekten wieder auf 4–6 Wochen gesunken. Siehe KfW 458 Heizungsförderung: Anleitung 2026.
  2. iSFP-Bonus ist wieder verdoppelbar — der individuelle Sanierungsfahrplan entfaltet in Kombination mit der Heizungsförderung weiterhin die volle Zuschussquote. Die Mechanik erklären wir ausführlich in iSFP-Bonus 2026: Wie sich die Förderung verdoppeln lässt.
  3. Strompreis-Dämpfung über Netzentgelt-Reform greift ab Q1 2026 — ein Wärmepumpen-Tarif liegt inzwischen häufig bei 22–25 ct/kWh; bei einer JAZ von 3,8 rechnen sich die Betriebskosten für viele Bestandsgebäude erstmals klar.
  4. Monteurkapazität ist wieder da — der BWP meldet eine spürbare Entspannung auf der Handwerks-Seite; nach den Unsicherheitsjahren sind Azubis und Umschüler zurückgekehrt.

Warum die Prognose nicht selbstverständlich ist

Zur Einordnung: Noch vor zwei Wochen ging der BWP in seiner Branchenstudie vom 31. März von nur 330.000 Einheiten in 2026 aus. Die Revision um 80.000 Geräte nach oben ist eine Reaktion auf die endgültigen 2025er Zahlen und die Beobachtung, dass sowohl der Winter 2025/26 als auch das Ostergeschäft 2026 deutlich besser lief als erwartet.

Der Haken: Die Prognose setzt voraus, dass es keinen politischen Schock gibt. Zwei Risiken bleiben akut:

  • GMG-Verzögerung — solange das Gebäudemodernisierungsgesetz nicht in Kraft ist, bleibt der Referenzrahmen für die 65-%-Erneuerbare-Pflicht das alte GEG; Eigentümer mit Bestandsheizung schieben Entscheidungen weiter auf. Wir beleuchten den Status in GMG-Update April 2026: Immer noch kein Referentenentwurf.
  • BEG-Mittelabfluss — die Wärmepumpen-Förderung zehrt spürbar am Jahresbudget. Fällt der Antragsstopp ein zweites Mal, kippt die Prognose schneller als 2024.

Was das für Eigentümer heißt

Wer in diesem Jahr eine Wärmepumpe plant, sollte die aktuelle Marktphase aktiv nutzen. Das Zeitfenster mit gleichzeitig vollen Förderkassen, entspannten Lieferzeiten und verfügbaren Monteurkapazitäten ist selten.

  1. Angebot jetzt einholen, nicht im Herbst. Typische Q1-Angebote liegen 8–12 % unter den Q4-Preisen — Handwerk verhandelt in der ruhigen Phase anders.
  2. iSFP vor dem Förderantrag erstellen lassen. Der Bonus funktioniert nur, wenn der Fahrplan vor dem Antrag vorliegt.
  3. Stromtarif separat verhandeln. Ein dedizierter Wärmepumpen-Tarif spart im Jahr leicht 200–400 € gegenüber dem Haushaltstarif.
  4. Heizlast seriös berechnen lassen — Daumenregeln führen bei Bestandsgebäuden regelmäßig zu Fehlauslegungen. Die Heizlastberechnung nach DIN V 18599 mit DÄMMWERK Modul M7 liefert die belastbare Grundlage.
  5. Wartungsvertrag ab Tag eins. Die Geräte sind langlebig, aber nur mit jährlicher Wartung bleibt die JAZ stabil.

Was das für Berater heißt

Die Zahlen sind Auftragspipeline-Prognosen. Für Büros mit Wärmepumpen-Fokus gilt:

  1. Q3/Q4 2026 jetzt durchrechnen. Wer heute Voranfragen sammelt, kalkuliert realistisch mit 3–4 Monaten Vorlauf bis zur Umsetzung.
  2. Mandanten mit Bestandsheizung aktiv ansprechen. Die Unentschlossenen aus der Heizungsdebatte sind weiterhin entscheidungsreif — aber nur, wenn jemand auf sie zugeht.
  3. Monitoring-Angebote einpreisen. Die JAZ-Messung im ersten Betriebsjahr ist ein häufig vergessener, aber refinanzierbarer Baustein.
  4. Heizlast- und hydraulische Berechnung als Pflichtleistung positionieren — die meisten BEG-Prüfungen scheitern an genau diesen Nachweisen.
  5. iSFP-Kapazitäten ausbauen. Jeder Fahrplan, der vor dem Förderantrag fertig ist, hebelt den 5-%-Bonus.

Das Bild für die kommenden Monate

410.000 Wärmepumpen in 2026 wären der höchste je gemessene Absatz in Deutschland. Auch wenn der Zielpfad des Klimaschutzprogramms weiter 500.000 verlangt, signalisiert die revidierte Prognose: Der Markt ist nicht gebrochen — er ist nur verunsichert. Jeder Monat ohne politischen Schock bringt die Branche näher an das strukturelle Ziel.

Nächster Schritt

Saniernavigator zeigt Eigentümern und Beratern, wann eine Wärmepumpe wirtschaftlich trägt, welche Förderbausteine zusammen einsetzbar sind und wo das Zeitfenster knapp wird.

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Quellen